


Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“
T. W. Adorno, zitiert nach C. Emcke in „Respekt ist zumutbar“, S. 328
Auch ein Buch, das man verschenken sollte und verschenken sollte und verschenken sollte.









24.1.26 23uHr20 bis 23UHR24
die kauende schwester zaubert einen ball. Betrachtet ihn. Betrachtet ihn noch länger. Doch sie will und kann es nicht erklären. Oder sollte man nicht besser sagen: sie will und darf es nicht erklären? Nicht über alle dinge darf man sprechen, nämlich. Insbesondere nicht über namenlose bälle. Und endliche bälle. Und namenlose, endliche bälle. Hin und zurück. Schwester hin. Und schwester her. Wir gehen in ihre küche und lesen ein buch. Danach messen wir ihren blutdruck. Es gibt kein zurück. Wir ziehen uns warm an, denn man sollte sich auf alle fälle immer warm anziehen. Alle felle. Aber nicht zu warm. Zu warm kann dann wieder doch gefährlich werden. Die schwester kaut. Aber sie schweigt nicht. Sie hat einen blutdruck und keinerlei gefühl für ihren puls. Was für ende. Was für ein beginn.
ich war in der wohnung eines freundes. er war munter und voller energie. das war überraschend. er plante und machte, war voller tatendrang und suchte bilder aus. irgendwann wurde er müde. schlief ein. mitten in seinem eigenen satz. ich entdeckte in der wohnung überall hausschuhe. so ein bisschen wie adiletten. darin säuberlich drapiert jeweils ein paar socken. ich dachte: wahrscheinlich vergisst er jedesmal, wo er seine hausschuhe abgestellt hat und kauft sich dann ein neues paar, um es wieder zu vergessen, um sich wieder ein neues paar zu kaufen usw. usf. was für ein drama. und es scheint ihm überhaupt nicht aufzufallen, weil ja alles voller schuhe steht …
er wird wach und ich erzähle ihm diesen gedanken. er blickt sich um, bemerkt all diese schuhe und ist sichtlich verlegen. er begreift und es ist ihm peinlich. er ergreift meinen arm. es ist ihm einfach noch nie aufgefallen. hausschuhe als gedanken, die er immer wieder vergisst, wiederholt und neu irgendwo abstellt. was haben schuhe mit denken zu tun? kann man seinen kopf mit immer wieder denselben hausschuhen vollstellen? vorstellung und vollstellung?










Auch an einem Montagabend im Kurs als Erklär-Skizze entstanden und dann zerrissen und jetzt wieder zusammengefügt.



Selten, sehr selten entstehen in einem Kurs aus einer bestimmten Anregungen heraus eigene brauchbare Zeichnungen. Letzten Montag dann doch.
der mensch wird nicht hübscher, wenn er auto fährt, aber er tut es natürlich trotzdem. tagaus und tagein. ohne unterbrechung, vorwärts, rückwärts, meist vorwärts. manche haben vorfahrt und ampeln gibt es. der faradaysche käfig schützt nicht nur vor blitzeinschlag. ist straßenvekehr so etwas wie der alltag? hier bin ich mensch, hier darf ich sein? manche sitzen auch zu viert im auto. wir müssen als erstes an der ampel sein, denn wir sind ein spermium. oder sonstwo. zeit ist leid. welches bild habe ich von der welt, wenn ich immer nur auf grüne ampeln treffe? wenn es nur noch philosophen am lenkrad gäbe? nirgends darf ich aussteigen, denn es handelt sich um eine utopie. parkverbot heißt, dass niemand je ins grüne darf. halteverbot, dass alle rastlos leben müssen. oder rastlos rasen. ich halte mich am lenkrad. ich beiße hinein und es schmeckt kein bisschen nach advent. ich bin nicht gern, wo ich herkomme. und weißt du: das geht allen so!
letztens haben wir geatmet nicht heimlich sondern in aller öffentlichkeit und es war fast schön und angenehm die luft konnte man sogar im spiegel sehen da sie die körper steigerte und dehnte und steigerte und dehnte fast ins unermessliche von dem ungaretti sagte dass es ihn erleuchte aber ich ernähre mich durchs unvergessliche und nicht durchs unermessliche und wenn ich das hier sehe und nicht vergesse dann werde ich platzen platzen und platzen und das atmen wird mir eine qual
die sehr schmale mondsichel mit dem stern darunter – fast bin ich zu faul gewesen, es zu zeichnen – ein schlechter versuch etwas später aus dem gedächtnis, aber immerhin: ansonsten wäre der mond ewig verloren
(es ist interessant: auf die idee, zeichnungen zu verbessern, kommt man ja immer mal wieder. und natürlich schraube ich immer wieder auch, und manchmal sogar massiv, an sätzen und texten rum. zum erstenmal aber komme ich auf die idee, einen text, in diesem fall den tagessatz vom 20.9. letzten jahres nur in einem einzigen wort zu verändern, aber beide versionen so stehen zu lassen.)





